Timo Westermann
Hier ein kleiner Bericht über meinen Tag am Werner Otto Institut:
Über das Internet erfuhr ich von der Initiative „Heute ein Engel", welche freiwillige Helfer/ innen sucht und vermittelt. Dies interessierte mich sehr, da ich hierin eine Möglichkeit sah, mich leichter für eine Zivildienststelle entscheiden zu können, da ich mir bewusst darüber werden wollte, wie die Arbeit mit Kindern, insbesondere mit behinderten Kindern aussieht.
Nach der Vermittlung an das Werner Otto Institut telefonierte ich mit Frau Behrens, der Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche, die mir erzählte, dass sie noch Helfer für einen Familiennachmittag am 4.April suche. Frau Behrens berichtete mir davon, dass zu diesen Familiennachmittagen Familien mit geistig und körperlich behinderten Kindern kommen. Dort werden die Kinder von freiwilligen Helfer/innen und Mitarbeiter/innen des Werner Otto Institutes betreut, während sich die Eltern mit „Gleichgesinnten"unterhalten könnten. Frau Behrens erklärte mir, dass viele Eltern mit behinderten Kindern, kaum Menschen in Ihrem Freundeskreis hätten, welche vor ähnlichen Problemen stehen würden, weshalb diese die Gelegenheit, mit anderen Eltern mit ebenfalls behinderten Kindern sprechen zu können, sehr schätzen würden.
Als ich am 4.4. im Werner Otto Institut eintraf, erwarteten mich Frau Behrens und zwei ihrer Kolleginnen bereits.
Noch waren keine Familien eingetroffen, sodass Frau Behrens mir kurz den Ablauf des Nachmittages erklärte und die Räumlichkeiten zeigte: Sie erklärte mir, dass wir uns erst in einem Raum versammeln würden und dort gemeinsam einige Lieder singen würden. Anschließend würden sich die Eltern mit Kaffee und Kuchen ein wenig zurück ziehen, während Frau Behrens, ihre Kolleginnen und ich uns mit den Kindern beschäftigen würden. Kurz nach 15:00 waren bereits einige Familien eingetroffen. Alle begrüßten sich gegenseitig und ich wurde den Familien von Frau Behrens vorgestellt. Es herrschte eine sehr entspannte Atmosphäre, sodass meine anfängliche Nervosität schnell verflog.
Nach dem gemeinsamen Singen verteilten sich die Kinder auf den gesamten Raum, in dem eine große Turnmatte lag, sowie ein Straßenteppich mit vielen Spielzeugautos und mehreren Stofftieren. Ich gesellte mich zu einem Jungen, welcher angefangen hatte, mit den Autos auf dem Straßenteppich herumzuspielen. Zusammen fuhren wir mit den Autos auf dem Teppich herum und machten dazu die Geräusche von Polizeiautos und Traktoren. Sehr schnell wurde auch ein anderes Mädchen auf uns aufmerksam und begann mitzuspielen. Während mir bei dem Jungen noch keine wesentliche Behinderung aufgefallen war, stellte ich bei dem Mädchen - welche „Pia" hieß - schnell fest, dass sie große Sprachprobleme hatte. Es dauerte ein wenig bis ich ihren Namen verstanden hatte, doch nach einiger Zeit konnte ich sie besser verstehen und sie erzählte mir in welche
Klasse sie gehe und wie alt sie sei. Mir fiel auch ein Junge auf, welcher die ganze Zeit mit einem Rucksack durch die Gegend lief und sprach Frau Behrens darauf an. Sie erklärte mir, dass der Junge geistig behindert sei und nicht mehr über seine Speiseröhre verfüge, weshalb er durch einen Magensonde, welche zur Stromversorgung mit dem Rucksack per Kabel verbunden war, ernährt werde. Dies ließ mich erstmal ein wenig Schlucken. Ich bemerkte auch einen Jungen, welcher im Rollstuhl angekommen war, und keinerlei Körperteile außer seinem Kopf bewegen konnte, weshalb er den Großteil des Nachmittages auf einer Matte liegend verbrachte.
Gegen 16:00 Uhr durften die Kinder in eine kleine, nahe gelegene Turnhalle gehen. Dort war ein Parcours, aus Matten und Kästen aufgebaut. Die Kolleginnen von Frau Behrens, erklärten mir, dass dieser Parcours den Kindern helfe um ihre Bewegungen besser koordinieren zu können. Dabei erfuhr ich auch, dass einige der Kinder vor einigen Jahren noch nicht einmal in der Lage waren zu greifen.
Gegen 18:00 Uhr versammelten wir uns noch einmal zum Abschlusssingen und sangen noch einige Lieder. Nach und nach begannen nun die einzelnen Familien nach Hause zu gehen. Bei den Kinder flossen schon die ersten Tränen, da sie noch weiter spielen wollten und Pia wollte auch lieber mit mir noch weiter mit den Autos spielen als nach Hause zu gehen. Auch mir wurde bewusst, dass ich gerne noch mehr Zeit mit ihr verbracht hätte, da sie eine unglaubliche Lebenslust und so viel Energie ausstrahlte. Kurz bevor Pias Familie losging, kam ihr Vater noch einmal auf mich zu und bedankte sich bei mir für die Mitarbeit. Obwohl ich mich wirklich gerne mit Pia beschäftigt hatte, bedeutete mir dieses „Danke" sehr viel, da es mir zeigte, dass ich ihm zumindest ein bisschen geholfen hatte.
Auf meinem Weg nach Hause ließ ich den gesamten Nachmittag noch einmal in der SBahn Revue-passieren: Mir begann klar zu werden, was es für eine Ar
beit für die Eltern sein muss ein behindertes Kind aufzuziehen und hoffte sehr, dass ich sie zumindest an diesem Nachmittag ein wenig entlasten konnte. Ich habe das Gefühl, dass diese Familiennachmittage eine große Unterstützung und Hilfe für diese Familien sind und habe bereits Frau Behrens informiert, dass ich gerne bereit bin, auch beim nächsten Familiennachmittag am 6. Juni mitzuhelfen. Mir ist des Weiteren aufgefallen, dass der Umgang mit behinderten Menschen nicht unbedingt leicht ist, diese Menschen jedoch sehr, sehr dankbar für jede Art von Hilfe sind. Es hat mich auch fasziniert wie einige Familien und Kinder mit wirklichen schweren Behinderungen umgegangen sind und trotz all dieser Schwierigkeiten, eine unglaubliche Freude und Energie ausstrahlen. Dieser Tag im Werner Otto Institut war ein schönes und auch sehr beeindruckendes Ereignis, welches mich sehr geprägt hat. Ich schätze die freiwillige Arbeit im Werner Otto Institut sehr und habe fest gestellt wie schön es sein kann Menschen direkt vor Ort zu helfen. Außerdem denke ich, dass ich von diesem Tag an deutlich offener und mit einer ganz anderen Einstellung auf behinderte Menschen zu gehen kann, als zuvor.

