Jessica Witte Winter (Radio und Fernsehmoderatorin, Berlin)
Vielleicht hat das jahrelange Moderieren von Boulevard Magazinen seine Spuren hinterlassen - vielleicht war es aber auch nur das Bedürfnis dem Schicksal etwas für die langen Sonnenseiten meines Lebens zurückzugeben. Vielleicht war es die Geburt meiner Kinder, die mir endgültig die Augen geöffnet hat für den Sinn des Lebens - aber vielleicht war es auch einfach nur die simple Werbung von hungernden Kindern aus Afrika, die in mir das Bedürfnis geweckt haben: Ich will helfen.
Es hat viele Jahre gedauert bis ich von einem Patenkind in Afrika über den
Wunsch einer Auslandsadoption und der möglichen Umschulung zur Pflegemutter
verstanden habe, dass man nicht sein ganzes Leben umstellen muss um zu helfen. Es
ist nichts Falsches daran über den Tellerand hinauszublicken - vorausgesetzt man
ist sich sicher, dass nicht direkt nebenan etwas im argen liegt. Was ist denn z. B.
mit der älteren Dame von gegenüber - warum nicht einfach fragen, ob sie etwas aus
dem Supermarkt braucht - wenn man sowieso gerade unterwegs ist. Oder die
alleinerziehende Mutter, der man jeden Tag im Kindergarten begegnet - warum nicht
anbieten den Nachwuchs mit zum Spielplatz zu nehmen. Früher war so etwas
selbstverständlich - Nachbarschaftshilfe. Heute ist jeder viel zu sehr mit
seinen eigenen Problemen beschäftigt. Die werden auch nicht weniger - nur weil
man jemandem geholfen hat. Aber jeder der einmal geholfen hat, wird nie das
Gefühl vergessen, das es hinterlässt: Stolz - Befriedigung - Glück.
Wahrscheinlich helfe ich also einfach aus purem Egoismus. Denn - helfen macht
glücklich!

