Der mich schon lange begleitende Gedanke eine ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben,
wurde wieder präsent an einem Aprilabend dieses Jahres. Während ich auf die
U-Bahn wartete, nahm ich die auf
einer Bank liegende Zeitung und entdeckte dort eine kleine Anzeige über die
Projekte von Gute-Tat.de. So meldete ich mich bei der Stiftung an. Einige
Tage danach kam ich zum ersten Mal in eine Einrichtung in Neukölln, deren
Mitarbeiter sich u.a. mit der Nachhilfe für die Kinder aus diesem Bezirk
beschäftigten. Der erste Satz, an den ich mich erinnern kann, war: "Wir haben
eine Neue." So beschloss ich, zusammen mit der Kindergruppe und ihren beiden
Betreuern "älter" zu werden.
Die Begleitung der Kinder bei den Hausaufgaben ein
Mal wöchentlich ließ mich einerseits nur begrenzt an ihrem Erleben des Schultags
teilnehmen, andererseits hatte ich die Möglichkeit viele Momente zu erleben, die
sowohl durch Freude als auch durch Reflexion begleitet wurden. Was sich bei mir
in den letzten 3 Monaten verändert hat, lässt sich nicht nur in zeitlichen und
räumlichen Rahmen umfassen, sondern vielmehr wohnt der Wandel im unsichtbaren
Bereich der Emotionen. So gesehen ist für mich die Hilfe bei den Hausaufgaben
nur ein Weg, der es ermöglicht jedes Kind, mit Stärken und Schwächen, kennen zu
lernen. Das Zusammensein in einer Gruppe, mit der bewussten oder unbewussten
Mitwirkung jedes Einzelnen, verstehe ich wie das gemeinsame Schreiben eines
Buches. Dabei ist weniger wichtig worüber, sondern wie das Buch geschrieben wird
und dass jeder in der Kindergruppe an dessen Entstehen einen Anteil hat.

